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von Matthias Clasen, Pastor in der Kirchengemeinde Langen

Liebe Leserinnen und Leser,

 

 

 

Im Gegensatz ?

 

 

 Überfluss und Mangel

 

 

 

 

Bild Entwurf (c)

 

 Hartmut Ringleff

 Auf ein Wort

Weihnachten – das ist ein seltsames Fest:

Wir freuen uns darauf wie auf kein anderes im Laufe des Jahres. Wir schmücken unsere Häuser und Wohnungen, Fenster und Gärten wie sonst nie. Wir backen und kochen und kaufen Geschenke. Wir laden die Familie ein und gehen in die Kirche. Und auch wenn wir nicht so viel Aufwand treiben und eher schlicht feiern: Wir wollen es doch schön haben, gemütlich und geborgen. Den Glanz und den Frieden dieses besonderen Festes genießen. Und für eine Weile vergessen, was uns Sorgen macht, die böse Welt draußen lassen. Diese Sehnsucht nach einem heilen, ungetrübten Fest teilen wir wohl alle. Und oft gelingt das ja auch, Gott sei Dank.

 

Und doch lässt sich das Elend nicht völlig ausblenden: Wie mag es wohl dem Bettler gehen, dem ich heute Morgen noch einen Euro in den Hut gelegt habe? Oder der alten, kinderlosen Dame im Haus nebenan, deren Mann letzten Sommer gestorben ist? Wie feiert der 16-jährige Junge aus Lesotho Weihnachten, der jetzt alleine für seine vier jüngeren Geschwister sorgen muss, weil beide Eltern nicht mehr da sind? Fragen, die sich gerade zu Weihnachten aufdrängen. Nirgends sonst liegen Glanz und Elend, Freude und Kummer, Geborgenheit und Einsamkeit so dicht beieinander, nirgends sonst sind die Widersprüche und Spannungen so deutlich und so schmerzhaft spürbar.

 

Das mag schon Maria und Josef bei jenem allerersten Weihnachtsfest vor 2000 Jahren so ergangen sein: Ein alter Mann und eine viel zu junge Frau, gemeinsam unterwegs, obwohl sie eigentlich zu Hause sein sollte: hochschwanger, in guter Hoffnung, und zugleich in großer Verzweiflung, weil sie nirgendwo unterkommen in dieser unwirtlichen Stadt. Und dann die Geburt in irgendeinem Stall, die unsagbaren Schmerzen – und schließlich die Freude über dieses kleine Wunder, sein erster Schrei und ein erstes gesummtes Liedchen zur Beruhigung. Die große Müdigkeit, die Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf – und dann der viele seltsame Besuch: die verschreckten Hirten, denen es vor Staunen die Sprache verschlug und die dann doch nicht anders können als Gott zu loben, fast wie die Engel.

 

So war das schon damals, erzählt die Bibel: Licht und Schatten ganz dicht beieinander. Keine ungetrübte Weihnachtsfreude. Aber zugleich auch die überwältigende Erfahrung, dass sich da mitten im Elend der Himmel einen Spalt weit auftut und ein Stück vom Paradies zu sehen und zu spüren ist: Der große Gott mitten unter uns, als Kind in der Krippe, da wo das Elend am größten ist. Und Menschen, die sich davon berühren und bewegen lassen, ihr Herz und ihre Hände zu öffnen: für Gott und für ihren Nächsten. Weil beides untrennbar zusammengehört, gerade zu Weihnachten.

 Dezember 2011

 

 „Wie leide ich vor Sehnsucht.

Wäre es doch Weihnachten."

 

Hans Christian Andersen 1805-1875

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest

wünscht Ihnen Ihr

 

Matthias Clasen, Pastor

in der Kirchengemeinde Langen